Alles eine Frage des Netzwerks

Sind Digital Natives automatisch gute Berater in digitaler Kommunikation? Kann der Schritt in die eigene Agentur direkt nach dem Studium überhaupt klappen? Und wie funktioniert professionelles Netzwerken? Diese und weitere Fragen diskutierten die Teilnehmer der Frankfurter networking nite zum Thema „Start-ups in der PR“ am 27. Januar im Presseclub. Im neuen nwn-Konzept standen diesmal keine Vorträge, sondern eine Podiumsdiskussion im Fokus des Abends.

Jungen Menschen wird heute qua Geburt eine gewisse Digitalkompetenz unterstellt, einfach weil sie mit den modernen Medien aufgewachsen sind. Dass sie dies nicht automatisch zu guten Beratern im Bereich digitale Kommunikation macht, unterstrich Jan-Kristian Jessen, Gründer und Inhaber der Digitalagentur quäntchen+glück aus Darmstadt. „Nur weil ein junger Mensch eine Facebook-Seite und einen Twitter-Account hat, macht ihn das noch nicht zum Social Media Berater.“ Vielmehr gehe es darum, auf Kundenseite ein Bewusstsein für den digitalen Wandel und dessen Konsequenzen zu schaffen, erklärte auch Tanja Rörsch, die mit ihrer Agentur mainwunder Autoren und Verlage bei der Positionierung im Social Web unterstützt. Hierbei spiele das Alter eine untergeordnete Rolle, entscheidend sei, den Kunden und seine Zielgruppe zu kennen. „Beratung heißt in diesem Fall auch, dem Kunden von einer Facebook-Seite abzuraten, wenn sie nicht in die allgemeine Kommunikationsstrategie passt“, so Jessen. Respekt und Dialog auf Augenhöhe sind wichtige Voraussetzungen für erfolgreiche Kundenbeziehungen, fasste Klaus Januschewski, Gründer und Inhaber der Agentur januschewski colleginnen & collegen, seine Erfahrung aus über 25 Jahren Selbstständigkeit zusammen.

Aller Anfang ist schwer

Dass zum Schritt in die Selbstständigkeit neben Begeisterung und Know-how auch Mut gehört, bestätigten alle Diskutanten. Trotzdem war ihre Bilanz positiv. „Hätte ich vorher gewusst, wie viel Spaß es macht, in der eigenen Agentur zu arbeiten, hätte ich mir am Anfang nicht so schwer getan“, erinnerte sich Jungunternehmer Jan-Kristian Jessen. Gemeinsam mit vier Kollegen startete er direkt aus dem Hörsaal in die eigene Agentur. Klar, dass zu Beginn auch Aufgaben anfallen, die man vielleicht bislang noch nicht erledigen musste. „Buchhaltung habe ich immer noch nicht verstanden“, gestand Tanja Rörsch. Um sich vor zeitfressendem Akten wälzen zu bewahren, riet Jessen, Expertenaufgaben an Experten auszulagern. Das schafft Freiräume für die eigentlichen Aufgaben: die Beratung und Realisierung von Kommunikationsmaßnahmen für Kunden.

Beim Netzwerk gilt: je bunter desto besser

Unverzichtbar dabei ist vor allem für Start-ups ein breites Netzwerk. Besonders hilfreich für den unternehmerischen Erfolg sind dabei heterogene Netzwerke, die Personen unterschiedlicher Lebens- und Berufswelten verbinden, beschrieb Tamer Karakus, Promovent an der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Goethe-Universität Frankfurt. In seiner Dissertation beschäftigt er sich unter anderem mit der Bedeutung strategischer Netzwerke. „Wer mehrere solcher Netzwerke verbindet, nimmt eine Schlüsselposition ein und kann auf unterschiedliche Ressourcen zugreifen“, erklärte Karakus. Wie wichtig ein heterogenes Netzwerk ist, weiß auch Tanja Rörsch. „Es geht darum, gemeinsam mehr zu erreichen und sich nicht in unnötigen Konkurrenzkämpfen abzurackern“, so die Neugründerin.

Kontaktmanagement ist mehr als die obligatorische Weihnachtskarte

Professionelles Netzwerken geht dabei über das Pflegen sozialer Kontakte hinaus, unterstrich auch Klaus Januschewski, der als Agenturinhaber und Vorsitzender der DPRG-Landesgruppe Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland um die Bedeutung qualifizierter Kontakte weiß. „Professionelles Kontaktmanagement umfasst weit mehr als die Geburtstags- oder Weihnachtskarte.“ Passende Informationen über die richtigen Kanäle an die richtigen Kontakte zu spielen – also nicht nach dem Gießkannen-Prinzip einfach Content teilen – ist daher sein Credo. Entscheidend ist aber auch hier: authentisch bleiben, so Jan-Kristian Jessen. „Zum erfolgreichen Netzwerken kann man sich nicht zwingen“, so der Jungunternehmer. „Ich gehe nicht auf eine Veranstaltung mit dem Ziel, 10 Visitenkarten zu bekommen, die ich dann abhefte.“ Vielmehr rät der Agenturgründer, unterschiedliche Gelegenheiten zum Austausch zu nutzen, wie Barcamps oder Vorträge. Auf der networking nite folgten die Teilnehmer dieser Aufforderung beim anschließenden Get-together.

Eindrücke der letzten networking nite findet ihr auf Facebook. Welche Tipps unsere Referenten Jan-Kristian Jessen und Tanja Rörsch für junge Kollegen haben, die sich selbstständig machen wollen, seht ihr im Video.